Humanistische Kritik an staatlichem Bibelwettbewerb

HVD‐Vorstand: Mecklenburg‐Vorpommern ist ein weltanschaulich neutraler Staat mit einer zu über drei Vierteln konfessionsfreien Bevölkerung

Es besteht keine Staatskirche. Dies geben unsere Landesverfassung und das deutsche Grundgesetz eindeutig und unmissverständlich vor.“

Das hat der stellvertretende Vorsitzende des HVD Mecklenburg‐Vorpommern, Hartmut Pfüller, am vergangenen Wochenende betont. Er erneuerte damit die Kritik am zuvor von Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) bekanntgegebenen Start des „Bibelwettbewerbs“, der zum achten Mal unter Schirmherrschaft des Justizministeriums ausgerufen worden ist.

Humanistinnen und Humanisten haben kein Verständnis für die privilegierte Bewerbung einer Religion, der zudem auch in unserem Land nur ein kleiner Teil sich verbunden fühlt. Ein Bibelwettbewerb sollte allenfalls von den Kirchen ausgerufen werden, niemals von einer Behörde“, sagte Pfüller weiter. Der vom Justizministerium ausgerufene Bibelwettbewerb sei auch deshalb besonders kritikwürdig, da die religiöse Werbung in erster Linie auf Minderjährige zielt.

Die Bibel zeigt Wege auf. Wer Jesus folgt, geht los und bewegt etwas.“

Katy Hoffmeister (CDU), Pressemitteilung des Justizministeriums vom 21.04.2019

Drei Viertel der Bevölkerung in Mecklenburg‐Vorpommern sind konfessionsfrei und einem sehr großen Anteil ist gemeinsam, dass diese Bürgerinnen und Bürger ihr Leben auf Basis und entlang humanistischer Grundsätze und Prinzipien gestalten, religiöser Glaube hat für sie dabei keine Bedeutung. Der neuerliche Bibelwettbewerb in Hoheit des Justizministeriums veranschauliche in eklatanter Weise sowohl fehlenden Respekt demgegenüber wie auch gegenüber den Grundsätzen der Trennung zwischen Staat und Religion.

Prof. i. R. Hartmut Pfüller, Vorstandsmitglied des HVD M‐V.

Wir rufen deshalb auch alle Lehr‐ und Leitungskräfte an den öffentlichen Schulen auf, den Aufruf zum Bibelwettbewerb im Lichte dieser Tatsachen kritisch zu würdigen, entsprechend einzuordnen und gegebenenfalls im Dialog mit Schülerinnen und Schülern die Bedeutung der Bibel und des christlichen Glaubens in all seinen Ambivalenzen und im Sinne der Aufklärung sowie eines gleichberechtigten Miteinanders der Weltanschauungen in unserem Land zu thematisieren“, so Hartmut Pfüller.

Der HVD dient als humanistische Vereinigung und weltanschaulich profilierte Stimme hierbei gern als Ansprechpartner.

Göttliche Übertreibung: MV‐Justizministerin liest die Bibel ganz neu Daniel Focke kommentiert im Nordkurier die religiöse Werbeaktion von Ministerin Katy Hoffmeister. Weiterlesen…

Ebenso gern unterstützen wir jeden Wettbewerb, in dem Lernende sich auf eingehende Weise mit der Geschichte der Aufklärung sowie der humanistischer, emanzipatorischer Bewegungen oder Persönlichkeiten in Mecklenburg‐Vorpommern bzw. der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzen können. Dies sollte selbstverständlich in inhaltlicher Verantwortung und in Trägerschaft der zivilgesellschaftlichen Organisationen in diesen Traditionen umgesetzt werden.“

Wenn Sie daran interessiert sind, einen Wettbewerb zur Geschichte der Aufklärung und des Humanismus in Mecklenburg‐Vorpommern für SchülerInnen zu unterstützen, setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Wir prüfen derzeit die Möglichkeit einer landesweiten Veranstaltung und freuen uns über Ihr Interesse oder die Bereitschaft zur Mitwirkung.
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