Staatliche Kirchenförderung: Land gibt mehr Geld bei weniger Gläubigen

Mit rund 12,97 Millionen Euro haben die staatlichen Leistungen an die Nordkirche sowie die katholische Kirche in Mecklenburg‐Vorpommern einen neuen Höchststand erreicht. Einem vierstelligen Schwund an Gläubigen steht ein fünfstelliges Zuwendungsplus gegenüber. Kritisch sieht das der Humanistische Verband im Land.

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Die staatlichen Zuwendungen an die evangelische und katholische Kirche in Mecklenburg‐Vorpommern sind 2018 abermals gewachsen, um rund 65.000 Euro auf knapp 13 Millionen Euro. Im Vergleich zum Jahr 2008 hat sich die Zuwendungssumme um rund 3,4 Millionen Euro erhöht. Zusätzlich zahlt das Land 702.000 Euro für die Erteilung von Religionsunterricht an den Schulen, wie aus dem Haushaltsplan hervorgeht.

Demgegenüber befindet sich die Zahl der Gläubigen um die evangelische Nordkirche unverändert im deutlichen Rückgang, bei der katholischen Kirche im Land stagniert sie. Das zeigen die in der vergangenen Woche vorgestellten kirchlichen Jahresstatistiken.

Demnach zählt die evangelische Nordkirche in Mecklenburg‐Vorpommern derzeit rund 243.961 Gläubige, rund 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. 15,15 Prozent der Einwohner fühlen sich der Kirche verbunden. Die katholische Kirche vereint derzeit relativ unverändert rund 55.000 Anhänger in Mecklenburg und Vorpommern, das sind 3,4 Prozent der Bevölkerung. Die Summe der Gläubigen beläuft sich aktuell auf rund 299.000 bzw. 18,6 Prozent der Einwohnerzahl. Vier von fünf Einwohnern sind konfessionsfrei, rund ein Drittel bzw. 400.000 Bürgerinnen und Bürger teilen repräsentativen Umfragen nach eine humanistische Lebensauffassung „voll und ganz“.

Anders als die Zahl der Gläubigen befinden sich die Unterstützungsleistungen aus dem Landeshaushalt aber weiterhin auf Wachstumskurs: Umgerechnet 43,38 Euro pro Person zahlt das Land zur Förderung der kirchlichen Betreuungsleistungen derzeit. Für humanistische Dienste und Angebote gibt es keinerlei vergleichbare Unterstützung.

Der Humanistische Verband Mecklenburg‐Vorpommern erneuert darum heute seine Forderung nach einer demokratischen Überprüfung und transparenten Reform der staatlichen Zuwendungen an Religions‐ und Weltanschauungsgemeinschaften.

Während stetig wachsende Millionenbeträge an die Kirchen fließen, gibt es keine vergleichbaren Förderungen für die große Zahl nichtreligiöser Menschen und deren werteorientiertes sowie wertebildendes Engagement”, kritisiert Hartmut Pfüller vom Vorstand unseres Landesverbandes. „Konfessionsfreie in Mecklenburg‐Vorpommern müssen sich hier leider weiterhin als Bürgerinnen und Bürger ‚zweiter Klasse’ sehen. Humanistinnen und Humanisten zwar als Steuerzahler gleichverpflichtet, sie werden als Menschen mit nichtreligiöser Weltanschauung jedoch offenkundig schlechter behandelt”, sagte er.

Mehr Informationen zum Thema bietet der Bericht „Gläserne Wände” zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland

Wie es anders geht, zeigt das benachbarte Niedersachsen. Dort gibt es seit den 1970er Jahren einen Staatsvertrag zwischen dem Land und dem Humanistischen Verband, in dem die Stellung des Verbandes und Zuwendungen zur Erfüllung der Aufgaben geregelt sind. Auch in anderen Bundesländern wie Brandenburg oder Baden‐Württemberg gibt es vergleichbare Förderungen auf Basis der Gleichbehandlung mit den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften.

Der Grundsatz des gleichen Rechts muss auch in der auf Religionen und Weltanschauungen bezogenen Politik gelten: Wir fordern daher einen gleichberechtigten rechtlichen und finanziellen Rahmen für die institutionelle Förderung der Träger weltanschaulicher, auf die Menschen bezogener Arbeit, religiöser wie nichtreligiöser Art.”

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