Führung durch die Sternwarte in Greifswald

Am 24. April gab es eine besondere Tour durch die Sternwarte Greifswald.

Nach einem entspannten Treff in der Domburg vor Beginn der Führung durch einen Vertreter des Vereins der Freunde oder Förderer der Sternwarte gab es zunächst einen Bericht über die Geschichte des alten Physikalischen Institutes an der Universität, dem Foucaultschen Pendel zum Nachweis der Erdrotation und eine kleine Einführung in die Optik und Technik von Teleskopen. Von der Sternwarte aus bot sich auch ein toller Rundumblick auf das nächtliche Greifswald. Durch das Teleskop konnte – durch die Lücken des leider stark bewölkten Himmels – ausgiebig der Mond bestaunt werden. Anschließend gab es noch eine Abschlussrunde mit Ideen für zukünftige gemeinsame Treffen und neue Projekte.

Humanistinnen und Humanisten setzen auf wissenschaftliche Welterklärung und bewusste ethische Reflexion. Hier gilt gerade die Astronomie als eine der ältesten Wissenschaften überhaupt als das Paradebeispiel, bestimmt doch die Sternenkunde neben der ursprünglichen Kalenderberechnung immer auch das Selbstbild des Menschen und seine Stellung im Universum.

Über das umfangreiche astronomische Wissen der Antike, welches im christlichen Mittelalter, auch durch das Bildungsmonopol der Kirche, weitestgehend in Vergessenheit geriet, kam gerade durch viele neue astronomische Erkenntnisse in der Renaissance das Weltbild der Kirche ins Wanken.

Hätte es am 24. April einen klaren Himmel gegeben, wäre nicht nur die untergehende Venus zu beobachten gewesen, sondern auch der gerade aufgehende Jupiter mit seinen Monden. Eben dieser Jupiter war es, den Galileo Galilei (und Simon Marius) im Jahre 1609 durch das gerade erfundene Teleskop beobachtete und mit seinen vier Monden erstmals in der Geschichte der Menschheit Himmelskörper sah, die sich definitiv nicht unmittelbar um die Erde drehten, wie es das dominierende geozentrische Weltbild aber verlangte.

Dies war eine Sensation und ebnete dem heliozentrischen Weltbild den Weg, welches Nikolaus Kopernikus zuvor veröffentlichte und welches in den Jahrzehnten danach gegen den vehementen Widerstand der katholische Kirche durchgesetzt werden musste. Auch heute noch ist die Astronomie die Speerspitze beim Erkenntnisgewinn zu Ursprung und Entwicklung des Kosmos. Dazu wurde mit der Gravitationswellenastronomie vor kurzem ein völlig neues Fenster zum Universum aufgestoßen, deren erste Erkenntnisse schon jetzt bahnbrechend sind, an deren Anfang wir gerade erst stehen und auf die sich jeder naturwissenschaftlich und damit auch humanistisch Interessierte wahrhaft freuen kann.

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