Der Frauentag sollte ein echter Feiertag sein!“

Landesverbandsvorsitzender Alexander Rabe plädierte zum Internationalen Frauentag für eine ehrliche Würdigung der Frauen in Mecklenburg‐Vorpommern.

Bereits 1975 erklärte die UNO den 8. März zum internationalen Frauentag, vor über 100 Jahren wurde er geschaffen. Ziel war immer, auf die schlechte und benachteiligte Lage von Frauen aufmerksam zu machen. Doch auch heute noch zeigen sich gravierende Defizite bei der Behandlung von Frauen durch unsere Gesellschaft“, sagte gestern Alexander Rabe, Vorsitzender des Humanistischen Verbandes Mecklenburg‐Vorpommern. „Umso wichtiger ist es also, an diesen Tag zu erinnern und sich seine Bedeutung in Erinnerung zu rufen“, so Rabe weiter.

Nach wie vor werden Frauen nicht gleichberechtigt behandelt. Sei es die um bis zu 30 Prozent geringere Bezahlung im Vergleich zu männlichen Kollegen, trotz derselben Leistung. Und die noch immer geringere Zahl an Frauen in Führungspositionen, Entscheidungsgremien wie der Wissenschaft und Forschung hat ihre Gründe in der miserablen Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf“, stellte Alexander Rabe fest. „Beim Blick auf die gravierenden Probleme nicht vergessen werden darf die Häufigkeit sexueller Gewalt gegenüber Frauen, die sich in allen sozialen Gruppen zeigt.“

Männer und Frauen sind laut Grundgesetz gleichberechtigt, erinnerte Rabe. „Dennoch driften die gesetzlichen Ideale und die erlebte Realität zum Teil weit auseinander. Nur ein trauriges Zeugnis dieser Tatsache ist, dass unser Land Mecklenburg‐Vorpommern bis heute keine einzige Frau als oberste Trägerin der Regierungsverantwortung hatte, obwohl das Frauenwahlrecht hier seit fast 100 Jahren existiert. Ein gleiches Wahlrecht spiegelt sich nicht wirklich wieder. Wir brauchen endlich neue Denkanstöße.“

Rabe plädierte deshalb dafür, den Internationalen Frauentag als gesetzlichen Feiertag festzuschreiben. „Das würde ein echtes Bemühen um eine ehrliche Würdigung der Frauenrechte nachhaltig unterstützen können, Frauen und auch Männern einen Raum zum Gedenken oder auch zum Feiern zu bieten. Bisher ist das nicht möglich.“

Chancen nicht im Alltag untergehen lassen

Was in Deutschland noch nicht existiert, ist in anderen Ländern bereits seit vielen Jahren Wirklichkeit. So gehören unter anderem Mazedonien, Georgien und Bulgarien zu den Ländern, die den Frauentag als Ehren, Gedenk‐ und Feiertag bereits gesetzlich festgeschrieben haben.

Alexander Rabe

Wir setzen auch hier auf ein Umdenken der Politikerinnen und Politiker in unserem Land. Sie sollten den Wert eines gesetzlich verankerten Frauentages zuerst erkennen können. Vor allem aber ist es wichtig, dass er nicht nur von Humanistinnen und Humanisten, sondern auch vielen anderen humanistisch eingestellten Menschen in Mecklenburg‐Vorpommern erkannt wird. Die hohe Zahl konfessionsfreier Menschen hierzulande legt nahe, dass es hier große Chancen für einen echten Frauentag gibt, der nicht nur als ein Lippenbekenntnis und mediale Eintagsfliege vorkommt“, so Rabe.

Etablierte Maßnahmen wie die kostenfreie Bereitstellung öffentlicher und hochqualitativer Kinderbetreuungseinrichtungen wie auch die fortgesetzte Aufklärung im Bildungs‐ und Berufsbereich werden dabei nicht weniger wichtig, betonte Rabe.

Doch der gesetzliche Frauentag als Gedenk‐ und Feiertag sollte von allen Menschen bewusst begangen und gefeiert werden können, um über die Probleme von Frauen in Ruhe nachdenken zu können oder ihr Engagement zu würdigen. Im Alltag gehen solche Chancen dazu leider nur allzu oft im allgemeinen Trubel unter. Aber die Zeit für ein Nachdenken über Frauenrechte, das Gedenken an historische Verdienste sowie die Feier für und von Frauen sind eben einfach keine Dinge, die wie bisher im Alltagstrubel verloren gehen sollten.“

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