21.06.12
Humanismus mit neuem Selbstbewusstsein

Landesverbandsvorsitzender Alexander Rabe plädierte anlässlich des Welthumanistentages dafür, weiter den offenen Dialog zu suchen und Differenzen zu überwinden.
Liebe Humanistinnen und Humanisten,
der 21. Juni ist neben der astronomischen Sommersonnenwende seit vielen Jahren ein besonderes Datum für humanistisch denkende Menschen auf der ganzen Welt. Im Mittelpunkt steht für uns deshalb heute wieder der Welthumanistentag, der vor mehr als zwei Jahrzehnten von der International Humanist and Ethical Union (IHEU) ausgerufen wurde, um ein naturgeschichtliches Ereignis als Ankerpunkt jeder zeitgemäßen humanistischen Kultur zu entwickeln.
Dieser Tag bietet deshalb auch in diesem Jahr für uns einen Anlass und die Möglichkeit, kurz innezuhalten und sich der eigenen Überzeugungen erneut bewusst zu werden, sie gemeinsam zu reflektieren oder den Tag mit Festen, Feiern oder anderen fröhlichen Ereignissen zu gestalten.
Im Mittelpunkt steht immer die nach unserer Überzeugung menschenwürdigste Weltanschauung, der Humanismus, aber vor allem anderen: die Menschen, als soziale, bedürftige, sozio-biologisch bestimmte – und insbesondere – Kultur und Vernunft habende Lebewesen.
Und in einer Gegenwart, welche weiter von neuen und fortgesetzten Krisen bestimmt wird, ob in Form einer fortschreitenden Beschädigung der planetaren Biosphäre, ökonomischen und sozialen Krisen oder nie dagewesenen Problemstellungen für unsere Ethik im Zuge eines rasanten Fortschreitens der Möglichkeiten durch Forschung und Technologie, ist es von unvermindert hoher Bedeutung, dass wir rational und ohne dogmatisch oder metaphysisch bestimmte Denkansätze versuchen, die Probleme gemeinsam zu meistern.
Nutzen wir deshalb diesen Tag ebenfalls für offene Diskussionen, um Schwierigkeiten, welche uns im Großen und Kleinen bewegen, zu besprechen und Lösungsansätze dafür zu finden. Und auch die öffentliche Bekanntmachung des Humanismus als tragfähige und weltanschaulich geprägte Überzeugung kann gut an einem Tag wie heute im Mittelpunkt stehen.
Denn Humanistinnen und Humanisten besitzen nicht nur im Verhältnis zu den sich stets weiter entwickelnden Erkenntnissen der Wissenschaften höchst belastbare und tragfähige Philosophien, sondern auch für den im Alltag entscheidenden praktischen Humanismus wichtige Angebote.
Von JugendFeiern, humanistischen Kindertagesstätten und Schulen bis hin zur Seniorenarbeit und der Sterbebegleitung, könnten diese den immer mehr werdenden Menschen eine Alternative bieten, die nicht mehr auf religiöse Vorstellungen und Sinnstiftungsversuche zurückgreifen müssen oder wollen.
Ich weiß, dass Humanistinnen und Humanisten sich mit ihren Vorschlägen und Konzepten nicht zu verstecken brauchen und mit einem neuem Selbstbewusstsein ihre Alternativen und Angebote im öffentlichen Raum bewerben sollten, um mehr Menschen davon zu überzeugen.
Trotzdem verdient auch die Tatsache eine Erinnerung, dass es bis heute zwischen einzelnen Gemeinschaften in Deutschland, die sich im Sinne des säkularen Humanismus einzusetzen versuchen, noch Diskrepanzen bei der Antwort auf die Frage nach dem besten Miteinander gibt.
Als Landesvorsitzender des HVD Mecklenburg-Vorpommern rufe ich deshalb erneut alle säkularen und humanistischen Organisationen dazu auf, dass Differenzen in einem offenen Dialog dargelegt, vermeidbare Streitigkeiten beigelegt und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit in konstruktiven Verfahren geklärt werden.
Humanistinnen und Humanisten können schließlich immer von den Stärken, Erfahrungen und bereits existierenden Strukturen ihrer Mitstreiter für eine humanistische und säkulare Gesellschaft profitieren, um effektiv und mit gemeinsamer Stimme nicht nur diejenigen Menschen in der Öffentlichkeit zu vertreten, welche ebenfalls eine humanistische Lebensauffassung haben, sondern auch denjenigen ein Gehör zu verschaffen, mit denen wir darüber hinaus gemeinsame Anliegen und Ziele teilen.
Ergreifen wir also die Chance, sich von den gemeinsamen Gedanken, Hoffnungen und Motiven hinter dem Welthumanistentag bewegen zu lassen, ob in Nachdenklichkeit und Sorge, Freude oder Zuversicht, damit wir auch in Zukunft beweisen können, dass Humanismus die beste Wahl darstellt.